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Grundlagen der Aktionsforschung in der Entwicklungspolitischen Zusammenarbeit

 

 

 

Aktionsforschung und EZ

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Auch wenn Methoden der Aktionsforschung ursprünglich von Wissenschaftlern angewandt wurden und überwiegend dem Fortschritt der - nun allerdings sozial verpflichteten - Wissenschaft dienen sollten, wies die Forschungssituation doch von Anfang an eine frappante Ähnlichkeit mit der des Entwicklungshelfers/experten auf. In beiden Fällen steht eine Person aus einer anderen sozialen Schicht und häufig sogar auch noch anderen Kultur einer Gruppe gegenüber, mit der sie zusammenarbeiten will oder soll, um sie dabei zu unterstützen, Einsichten zu gewinnen und Handlungsweisen zu ändern. Was liegt näher, als das methodische Vorgehen beider zu vergleichen und voneinander zu lernen?

Anfangs konnte die Aktionsforschung nicht viel von der EZ lernen, denn dort wurde überwiegend recht paternalistisch, dirigistisch und autoritär vorgegangen. Ende der 70er zaghaft, Anfang der 80er verstärkt, wurden Methoden der Aktionsforschung jedoch zunächst von internationalen Organisationen, dann auch von bilateralen Gebern übernommen und gleichzeitig ihre partizipative und handlungsorientierte Komponente gestärkt.

 Aktionsforschung ist für Entwicklungszusammenarbeit interessant, weil sie ihr Methoden für die partizipative und prozeßorientierte Planung, Durchführung und Evaluierung von Fördermaßnahmen an die Hand gibt. Methoden der Aktionsforschung fördern nämlich die Identifizierung und Analyse von Problemen durch die davon betroffenen Personen und Gruppen, unterstützen diese bei der Suche nach Lösungen und der Planung von Maßnahmen und ermutigen sie schließlich, ihren Plänen entsprechend selbständig zu handeln.

 

Unterstützung der Selbsthilfe

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Aktionsforschung zielt generell auf die Auslösung und Erhaltung solcher Prozesse, die Gruppen helfen sollen, ihre Situation selbst - eigeninitiativ, selbständig und aus eigener Kraft -, also nachhaltig, dauerhaft, beständig zu ändern. Die Attribute 'partizipativ' und 'prozeßorientiert' sind zur Kennzeichnung der Aktionsforschung eigentlich gar nicht nötig, denn sie sind ihre konstitutiven Elemente.

Handlungsorientierte Forschung in der Entwicklungszusammenarbeit sucht soziale Veränderungen zu bewirken. Sie geht von vorhandenen Strukturen an der Basis aus und arbeitet mit ihnen zusammen, sie unterstützt selbständige Aktivitäten bestehender Initiativen und fördert die Bildung von Gruppen. In kontinuierlicher Animationsarbeit fördert sie Bestrebungen der Bevölkerung, ihre Probleme auszudrücken, Alternativen zu entwickeln und selbständig Entscheidungen zu treffen. Sie macht die gemeinsame Auswertung der Ergebnisse durch alle Beteiligten zur Voraussetzung weiterer Fördermaßnahmen. Aktionsforschung ist in diesem Sinne grundsätzlich partizipativ.

Prozessorientierte EZ vermeidet es, neue kostenintensive Strukturen zu schaffen. Sie unterstützt vielmehr selbständige Aktivitäten bestehender Initiativen, fördert die Bildung von Gruppen und Netzwerken und arbeitet mit vorhandenen Organisationen zusammen. Indem sie vorzugsweise existierende Initiativen und deren Bestrebungen nach Selbstorganisation fördert, hat sie die Tendenz, sich bald überflüssig zu machen.

 

Verbindung von Theorie und Praxis

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Mit der Aufhebung der Arbeitsteilung von "Forscher-Erforschte", vermeidet Aktionsforschung den häufigen Fehler herkömmlicher Forschungs- und Planungsmethoden, die "Betroffenen" als "Informationsreservoir" zu betrachten - passiv und unfähig, ihre eigene Situation zu analysieren und Lösungen für ihre Probleme zu finden.

Während des gemeinsamen Forschungsprozesses werden auf beiden Seiten Erkenntnisse gewonnen und Einsichten ausgelöst, die zu Konsequenzen führen. Den verschiedenen Interessen entsprechend, zieht der Berater Konsequenzen eher bei der Dokumentation, Aufbereitung und Darstellung der gewonnenen Informationen sowie hinsichtlich der Fortführung des eingeleiteten Erfahrungsprozesses. Die Nutzer dagegen ändern ihre Handlungsweisen und führen Aktionen durch, von denen sie sich Vorteile versprechen. So ziehen normalerweise beide Seiten Nutzen aus der Aktionsforschung. Die Gruppe der Nutzer gewinnt unter Anleitung eines externen Facilitators Erkenntnisse und Einsichten, die zu Änderungen von Handlungsweisen führen, und der Berater erhält dadurch Zugang zu Informationen, die auf andere Weise nicht zu gewinnen sind.

 

Die Nutzer und Nutzerinnen spielen die erste Geige

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Die Nutzer der Zusammenarbeit spielen die erste Geige. Sie sind die Akteure. Sie analysieren ihre Lage, suchen Auswege, konzipieren und realisieren Maßnahmen. Der Berater schafft zunächst lediglich die Voraussetzungen für diese Aktivitäten. Sobald diese in Gang gekommen sind, tauchen Fragen auf; je nachdem, welchen Problemkomplex die Nutzer zuerst angehen, sind es organisatorische, steuer-, boden- oder verwaltungsrechtliche, technische, medizinische, pädagogische etc. Fragen.

Wenn Entwicklungszusammenarbeit soziale Prozesse auslösen und in Gang halten will, dann sollte sie ihre Eingriffe darauf beschränken, Anstöße zu geben, Voraussetzungen zu schaffen und Handlungen zu erleichtern (facilitation), und alle Entscheidungen und Handlungen den von der Ausgangslage Betroffenen, die die Nutzer der EZ-Förderung sind, überlassen.

Die Projektmitarbeiter/-innen wirken also als Facilitatoren. Sie bieten den Nutzern oder deren Vertretern eine - wie auch immer geartete - Möglichkeit, ihre drängendsten Probleme zu nennen, Lösungsansätze zu suchen, Aktionspläne auszuarbeiten und Tätigkeiten festzulegen, und sie ermutigen sie, entsprechend den Plänen und Absichten zu handeln.

Die Projektmitarbeiter drängen den Handlungspartnern niemals ihre eigenen Ideen auf und handeln niemals für sie oder an ihrer Stelle. Sie beschränken sich strikt auf einen partizipativen und nachfrageorientierten Ansatz.

Die gemeinsame Festlegung von Zielsetzung, methodischem Vorgehen und längerfristigen Maßnahmen durch alle Beteiligten sowie die Durchführung exemplarischer Aktionen bereits in der Planungsphase dienen der Erprobung einer längerfristigen Zusammenarbeit. Verantwortung und Entscheidungskompetenzen, die in herkömmlichen Programmen bei den eigentlich Außenstehenden, den Geberorganisationen, externen Beratern und staatlichen Institutionen, liegen, sind den Mitgliedern autonomer Selbsthilfegruppen vorbehalten, den eigentlichen Nutzern späterer Fördermaßnahmen. Die Unterstützung von außen beschränkt sich dabei auf Beratung und Vermittlung bei der Entwicklung eigenständiger Aktivitäten der Bevölkerung und ihrer Bestrebungen zur Selbstorganisation. Sie mobilisiert die Initiative an der Basis und macht sich so tendenziell überflüssig.

Für die konkrete Vorgehensweise partizipativer Planung im Feld bedeutet dies :

  • Verzicht auf ein von vornherein festgelegtes, nichtrevidierbares Programm; der Gesamtentwurf der Fördermaßnahmen darf sich erst in  der gemeinsamen Diskussion der Gesprächspartner konstituieren;

  • es müssen Förderstrukturen entwickelt werden, die eine ständige Kommunikation zwischen allen Beteiligten ermöglichen;

  • die Trennung in  Frager - Befragte  muß vermieden werden, offen strukturierte Gespräche sollen eine Situation des Dialogs bewirken;

  • die Unterstützung von Vorschlägen und Aktionen der Nutzer soll die Bereitschaft zur Zusammenarbeit für beide Seiten auf ihre Gültigkeit in der Praxis hin überprüfbar und für die Formulierung eines längerfristigen Förderprogramms nutzbar machen.

 

Aufbau von Animations- und Beratungsteams

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Um den ständigen Kontakt mit den Nutzern während der Feldphase zu gewährleisten, werden Animationsteams gebildet, die ihre Regionen mehrmals bereisen. Jede/r der beteiligten Nutzer und Nutzerorganisationen - auch in den abgelegenen ländlichen Gebieten - wird so innerhalb eines Halbjahreszeitraums mehrmals aufgesucht und in eine kontinuierliche Diskussion einbezogen.

Die Teams bereisen in regelmäßigen Abständen ihre Regionen, erörtern gemeinsam mit den Nutzern deren Situation, hauptsächliche Probleme, Vorschläge und Initiativen und treffen Vereinbarungen zur Unterstützung der Aktivitäten der Nutzer.

Sollen die Nutzer eines Vorhabens oder einer Maßnahme wirklich Gelegenheit erhalten, das methodische Vorgehen zu bestimmen, Ziele und Ergebnisse festzulegen und die Aktivitäten zu planen, dann müssen sich die Projektmitarbeiter dem Diskussionsstil und Rhythmus ihrer Partner anpassen.

Das Personal muß mit den Methoden der Aktionsforschung vertraut sein, Abschied vom Bild des 'allwissenden Experten' genommen haben, sich ungezwungen im Milieu der Nutzer bewegen können, non-direktive Kommunikationstechniken beherrschen, zuhören und sich zurückhalten können, neugierig und offen sein, sich in Personen und Situationen einfühlen können sowie die Fähigkeit besitzen, ohne Anbiederung Vertrauen zu gewinnen, ohne Bevormundung Anregungen und Ratschläge zu geben und ohne Imponiergehabe Ideen und Vorschläge in Frage zu stellen.

Die Projektmitarbeiter müssen, um einen sozialen Prozeß in Gang zu halten, sehr flexibel und wendig sein und über viel Phantasie verfügen. Sie müssen nämlich die Nutzer beraten, schnell und richtig auf Situationen und die Reaktionen anderer zu reagieren, Partner zu finden, und diese Partner entweder zu Verbündeten zu machen oder in Verhandlungen einzubeziehen. Außerdem müssen sie in der Lage sein, schnell Fachleute und Fachkenntnisse für komplexe Sachgebiete zu finden. Das fällt ihnen leichter, wenn sie über ein gewisses Maß an Fachkenntnissen verfügen.

 

Partizipation bei Planung, Durchführung und Auswertung

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Partizipation bedeutet zunächst nicht mehr als „Beteiligung“. Doch wer ist beteiligt, „wird“ beteiligt und von wem? Wieviel Partizipation ist „erlaubt“? Partizipation als Schlagwort muß also jeweils durch ein konkretes Vorgehen definiert werden - erst dann zeigt sich, inwieweit der gewählte partizipative Ansatz lediglich legitimatorische und instrumentalisierende Funktion hat oder wirklich dazu dient, die Selbständigkeit der Akteure an der Basis zu erhöhen.

Partizipation erschöpft sich in herkömmlichen Konzepten immer noch häufig in der Beteiligung nationaler Trägerorganisationen, der zuständigen Ministerien und nationalen Eliten. Die direkten Nutzer werden in diesen Konzepten eigenständiger Beteiligung für nicht fähig gehalten.

Partizipation im Sinne der Aktionsforschung akzeptiert die prioritäre, aktive Rolle der Nutzer an der Basis - der Kleingewerbetreibenden, der Dorfbevölkerung, der Mitglieder einer Frauenkooperative und Mitglieder anderer Selbsthilfegruppen. Eigenständige Entwicklung schließt die Übernahme von Verantwortung in allen Phasen der Zusammenarbeit, der Planung, Durchführung und Evaluierung, mit ein.

Die Auswertung der Zusammenarbeit und die Diskussion weiterer Aktivitäten gemeinsam mit den Nutzern ist wesentlicher Bestandteil einer partizipativen Förderung. Sie ermöglicht den Nutzern, ihre Selbstorganisation auf der Grundlage ihrer eigenen Einschätzung der Lage fundiert zu betreiben, sie mit den Vorschlägen anderer Gruppen zu vergleichen und weitere Aktivitäten weitgehend selbständig zur Lösung der von ihnen identifizierten Probleme zu planen und auszuführen.

Der Evaluierer sollte sich bei der Bewertung des Projektnutzens grundsätzlich an den von den Nutzern selbst gesetzten Zielen und Ergebnissen und an deren eigener Einschätzung des erzielten Nutzens orientieren. Die externe Evaluierung übernimmt dann wenigstens Elemente der Eigenevaluierung. Um das zu tun, muß der Evaluierer möglichst viel mit den Nutzern kommunizieren und die Evaluierung partizipativ gestalten. Dazu gehört auch die Rückmeldung seiner Erkenntnisse an die Nutzer und die Diskussion darüber vor Abgabe des Berichts an den Auftraggeber.

 

Aktionsforschung und Organisationsberatung

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Offensichtlich ist die in westlichen Industrieländern seit geraumer Zeit von Organisationssoziologen entwickelte, von Anwendern zur Reife gebrachte und von spezialisierten Beratern angebotene Organisationsentwicklung (OE) mit der Aktionsforschung verwandt. OE sucht Probleme in der Aufbau- und Ablaufstruktur von Organisationen dadurch zu lösen, daß die in der Organisation lebenden oder arbeitenden Personen motiviert und angeleitet werden, entweder selbst Vorschläge zur Überwindung der Probleme zu erarbeiten oder zumindest mit Fachleuten gemeinsam Lösungen zu suchen.

Diese Strategie geht von der Annahme aus, daß niemand die formalen und vor allem die informellen Ablauf- und Kommunikationsstrukturen einer Organisation besser kennt als die in ihr Lebenden und Tätigen, und daß diese daher bessere und realistischere Lösungen finden als jeder andere. Für diese Annahme spricht außerdem, daß dieser Personenkreis selbst an Reformen interessiert sein müßte, und zwar ausschließlich an solchen, die tatsächlich eine Verbesserung gegenüber dem status quo ante darstellen. Unter Fehlschlägen leidet nämlich er zuerst.

Die Parallele zur Aktionsforschung ist augenfällig und zeigt, daß Methoden der Aktionsforschung nicht nur auf der Mikroebene bei Individuen (z.B. Bauern, Handwerkern, Frauen, Städtern, Stadtteilbewohnern) und ihren Gruppen mit bewußtseinsbildender, emanzipatorischer und armutmindernder Absicht anwendbar sind, sondern auch bei relativ wohlhabenden Individuen und Gruppen auf der Mikro-, Meso- und Makroebene.

 

Stärken und Problemfelder der Aktionsforschung

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Stärken

  • Methoden der Aktionsforschung eignen sich besonders gut dafür, Entwicklungsprozesse von außen anzustoßen und in Gang zu halten, und zwar aus folgenden Gründen:

  • Die Nutzer und Nutzerinnen selbst erfahren viel über ihre eigene Lage und deren Ursachen.

  • Die Nutzer erlernen Problemlösungstechniken, die sie auch in anderen Lebens- und Arbeitsbereichen anwenden können.

  • Nicht fremde Experten, sondern die Nutzer der Maßnahme lernen aus ihren Erfahrungen und aus ihren Fehlern, und da sie selbst unter den Folgen ihrer Fehler leiden müssen, steigt ihr Verantwortungsbewußtsein für die eigenen Handlungen.

  • Die Nutzer gehen in der Regel von einem als drängend empfundenen Problem aus und stoßen beim Versuch, dieses zu lösen, auf immer weitere Probleme, deren Lösung immer mehr Lösungsansätze verschiedener Sektoren erfordert: organische Entwicklung eines 'integrierten' Ansatzes.

  • Die Nutzer berücksichtigen quasi automatisch das sozio-kulturelle Umfeld und die politischen Machtverhältnisse, deren Teil sie selbst sind: Nachhaltige Lösungen werden so gefunden, ohne daß das externe Projektpersonal die sozio-kulturellen Faktoren selbst erst vollständig verstehen muß.

  • Da meist Lösungen gesucht werden, die einer Gruppe oder einem Berufsstand nutzen und nicht nur einem Individuum, haben Maßnahmen der Aktionsforschung im allgemeinen eine hohe Breitenwirksamkeit und ein günstiges Kosten-Nutzen-Verhältnis.

  • In (offenen) Orientierungsphasen dienen die Festlegung von Zielen, methodischem Vorgehen und Aktionen sowie die Durchführung von Maßnahmen durch Nutzer und Projekt der Erprobung der Zusammenarbeit und sind deshalb für die Entscheidung über die Gestaltung der 'Durchführungsphase' wichtig.

  • Im Unterschied zu herkömmlichen Planungsverfahren, an denen die Zielgruppen im günstigsten Fall durch ihre wie auch immer legitimierten Vertreter beteiligt werden und bei denen diese sich einer fremdbestimmten Struktur (Seminarsituation, Programmvorgaben, von 'Experten' dominierte und in einer fremdem Fachsprache geführte Diskussion) unterordnen müs­sen, haben partizipative Planungsmethoden den Vorteil, daß die Nutzer als Gruppe in ihren gewohnten Lebens- und Produktions- zusammenhängen bleiben. Sie können so längere Zeit in der kollektiven Diskussion ihre Absichten und Vorschläge selbständig erarbeiten. Die Diskussion im Kontext ihrer Lebenswelt und im Medium ihrer Alltagssprache stärkt die Stellung der Gruppen gegenüber Experten sowie Vertretern staatlicher Institutionen, die unbewußt oder versteckt durch den Gebrauch der ihnen eigenen Logik immer ihre Interessen vertreten.

Problemfelder

In den Projektdurchführungen der letzten Jahre mußte die Erfahrung gemacht werden, daß die Nutzer die Bedingungen der Hilfe zur Selbsthilfe - Eigenleistung und Eigenbeitrag der Nutzer sowie den vorübergehenden Charakter der Fördermaßnahmen - nicht immer bereit sind, von vornherein zu akzeptieren, insbesondere, wenn sie mit einer externen Projektförderung konfrontiert sind und bereits „Nehmererfahrungen“ mit vorangegangenen Projekten machen konnten.

Als Konsequenz sollte in Zukunft bei der Aus- und Fortbildung und Begleitung des Projektpersonals verstärkt  darauf hingewirkt werden, kurzfristige Erfolge in der Projektarbeit nicht überzubewerten, sondern jede einzelne Maßnahme im Lichte der Stärkung der Selbsthilfefähigkeit der Nutzer zu betrachten. Fördermaßnahmen können zur Zufriedenheit der Nutzer realisiert werden, ohne daß sie jedoch ihre Selbständigkeit erhöhen und Nachhaltigkeit zeigen, sondern Neh­mermentalität fördern (z.B. mehrmalige Kreditvergabe an dieselbe Gruppe ohne Schaffung von Eigenkapital innerhalb eines absehbaren Zeitraums); dies sollte in der Zusammenarbeit verstärkt beachtet werden. Kriterien und Bedingungen einer Förderung müssen deshalb gerade auch in einem aktions- forschungsorientierten Förderansatz entwickelt und den Nutzern deutlich gemacht werden.

 

Kriterien der Förderung

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Ein Einwand gegenüber der Aktionsforschung ist, sie wolle die Nutzer an der Basis zu Experten machen, während der Berater eine eher passive Rolle einnähme. Die subjektiven Interessen und Wünsche der Zielgruppe würden zum einzigen Entscheidungskriterium, die Zielgruppe sei so nicht in der Lage, aus ihren Fehlern zu lernen.

Auch wenn es richtig ist daran festzuhalten, daß der Nutzer in seinem Bereich tatsächlich in vielen Angelegenheiten seinen Bedarf am ehesten zu erkennen in der Lage ist, beruht der Umkehrschluß, der Berater wäre nun seiner eigenständigen Rolle beraubt, auf einem Mißverständnis. Aktionsforschung ist nicht die alleinige und autonome Aktion einer Gruppe, sondern Aktionsforschung als Partizipation bedeutet, daß sich zumindest zwei Seiten einer ständigen Verhandlungssituation stellen müssen. Von Seiten der Projektmitarbeiter sollten folgende Kriterien bei der Diskussion von Fördermaßnahmen eingebracht werden, die den Nutzern nicht immer gegenwärtig sind, oder die diese nicht immer bereit sind, von vornherein zu akzeptieren:

  • die Eigeninitiative bzw. der finanzielle Eigenbeitrag der Nutzer;

  • die Machbarkeit und

  • die Sinnhaftigkeit des Vorhabens.

Diese Verhandlungssituation ist aufgrund eventuel unterschiedlicher Wertesysteme der Beteiligten nicht unproblematisch und konfliktfrei, ist aber unumgehbar, will sich eine Seite nicht bedingungslos der anderen unterordnen. Die Diskussion sollte sich dabei möglichst im Rahmen der von beiden Seiten vereinbarten Kriterien bewegen. Der Wunsch eines Betriebsinhabers z.B. nach Finanzierung einer kombinierten Säge-, Hobel-, Fräs- und Bohrmaschine, obwohl er selbst keinen nennenswerten Eigenbeitrag erbringen kann, scheitert an den vereinbarten Kriterien des zu erbringenden signifikanten Eigenbeitrags und der Selbsthilfe. Rentabilitäts- und Finanzierungsanalysen helfen, die Diskussion zu versachlichen.

 

 

Aktionsforschung in der Durchführung

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Zu Beginn der Projektplanung und -durchführung stellen sich verschiedene Fragen, die jeweils eine Antwort zur Projektkonzeption und Projektorganisation erfordern:

  • Wie läßt sich eine kontinuierliche Diskussion mit den Nutzern und Nutzerinnen späterer Fördermaßnahmen entwickeln?

  • Wie sieht eine entsprechende Animationsstrategie aus und wie sind die Animatoren und Animatricen auszuwählen und auszubilden?

  • Welche Instrumente und Methoden sind geeignet zur Erarbeitung einer Situations- und Problemanalyse der Nutzer?

  • Wie lassen sich die Initiativen und der Förderbedarf der Nutzer identifizieren?

  • Welche Art von Förderaktionen sind möglich und sinnvoll?

  • Wie sieht eine angepaßte Projektinfrastruktur aus?

Diese und andere Fragen können in dieser kurzen Einführung nicht weiter ausgeführt werden. Wir verweisen zur weiteren Vertiefung in das Thema v.a. auf die folgenden Veröffentlichungen:

  • Moser, H.: Praxis der Aktionsforschung, München 1977
    (erhältlich im Buchhandel und an Universitätsbibliotheken)

  • Schneider-Barthold, Gagel, Hillen, Mund: Aktionsforschung - Partizipative und prozessorientierte Methoden in der Entwicklungszusammenarbeit, in: D. Gagel (Hrsg.): Aktionsforschung und Kleingewerbeförderung, Weltforum Verlag / ifo Institut, Köln/München 1995 - ISBN 3-8039-0427-7 (download)

  • D. Gagel: Aktionsforschung. Methoden partizipativer Projektplanung und -durchführung in der Entwicklungszusammenarbeit, Heidelberg 1995 (download)

(Die hier präsentierten Ausführungen wurden in grossen Teilen den beiden letztgenannten Veröffentlichungen entnommen)

 

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