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Aktionsforschung und Methoden der empirischen SozialforschungStreng genommen ist Aktionsforschung gar keine Methode, sondern eine Strategie, die Forschung leitet und die Auswahl der methodischen Instrumente bestimmt. Der Aktionsforscher kommt nämlich gar nicht umhin, sich aus dem Instrumentenkasten der empirischen Sozialforschung zu bedienen, wenn er an die empirische Arbeit geht. Er wird in der Regel die Instrumente der qualitativen Sozialforschung vorziehen, da sie ihm unter anderem zur Gesprächsführung, Moderation von Gruppensitzungen, nicht-direktiven Beratung und Dokumentation seiner Aktivitäten geeigneteres Werkzeug liefert als die quantitative Sozialforschung. Wenn er sich anfangs einen Überblick über die Grundgesamtheit der Population verschaffen will, wird er sich jedoch deren Instrumenten bedienen. Da Aktionsforschung keine Methode ist, wird in diesem Beitrag häufig von Methoden der Aktionsforschung gesprochen. Damit sind die Methoden der empirischen Sozialforschung gemeint, die der Aktionsforschung am besten dienen. Sie werden häufig auch von Forschern oder Praktikern der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) angewandt, die ihre Forschung oder ihr Handeln an den die Aktionsforschung leitenden Prinzipien orientieren. Dazu gehören die folgenden (Klüver/Krüger, S. 76f): "a) Die Problemauswahl und -definition geschieht nicht vorrangig aus dem Kontext wissenschaftlicher Erkenntnisziele, sondern entsprechend konkreten gesellschaftlichen Bedürfnissen. b) Das Forschungsziel besteht nicht ausschließlich darin, soziologische theoretische Aussagen zu überprüfen oder zu gewinnen, sondern darin, gleichzeitig praktisch verändernd in gesellschaftliche Zusammenhänge einzugreifen. c) Die im Forschungsprozeß gewonnenen Daten werden nicht mehr als isolierte Daten 'an sich' angesehen, sondern als Momente eines prozeßhaften Ablaufes interpretiert; sie gewinnen ihren Sinn auf der theoretischen Ebene dadurch, daß sie stets mit dem realen Prozeß als Gesamtheit zusammengedacht werden, und erhalten ihre Relevanz auf der praktischen Ebene als konstitutive Momente weiterer Prozeßabläufe. d) Die als Problem aufgenommene soziale Situation wird als Gesamtheit - als soziales Feld - angesehen, aus der nicht aufgrund forschungsimmanenter Überlegungen einzelne Variablen isoliert werden können. e) Die praktischen und theoretischen Ansprüche des action research verlangen vom Forscher eine zumindest vorübergehende Aufgabe der grundsätzlichen Distanz zum Forschungsobjekt zugunsten einer bewußt einflußnehmenden Haltung, die von teilnehmender Beobachtung bis zur aktiven Interaktion mit den Beteiligten reicht. f) Entsprechend soll sich auch die Rolle der Befragten und Beobachteten verändern und ihr momentanes Selbstverständnis so festgelegt werden, daß sie zu Subjekten im Gesamtprozeß werden."
Aktionsforschung
als handlungsorientierte Strategie
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die Ursachen, Zusammenhänge und Kontexte von sozialen Tatbeständen, | |
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die Erfahrungen, die von der untersuchten Gruppe bereits bei der Änderung von Handlungsweisen gemacht wurden, | |
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die subjektive Sichtweise und die Werte der Gruppe, die Einordnung der Tatbestände in deren Lebenswelt und ihre Deutung aus dem Alltagswissen der Gruppe. |
Dies alles ist selten spontan abfragbar, weil die Gruppe sich über viele der genannten Fragen selbst (noch) nicht klar ist, z.B. weil sie bisher über die Ursachen eines bestimmten Zustands nicht systematisch nachgedacht hat. Deshalb müssen die 'zu Erforschenden', der Forschungs'gegenstand', Partner des Forschers werden. Nur gemeinsam haben sie eine Chance, die Situation ganzheitlich zu erfassen.
Aus den obengenannten Ausführungen geht hervor, dass die Aktionsforschung in Opposition zum positivistischen Wissenschaftsverständnis und desssen Postulat der Wertneutralität, Objektivität und Allgemeingültigkeit der wissenschaftlichen Forschung steht.
Demgegenüber betonen Vertreter der Aktionsforschung die subjektive Einbindung des Forschers in den sozialen und historischen Kontext und die Situationsbedingtheit insbesondere in der Sozialforschung :
"Abandonner l'idée newtonnière de ce qu'une théorie scientifique devrait être: universelle, déterministe, fermée, d'autant plus objective qu'elle ne contiendrait aucune référence à l'observateur, d'autant plus parfaite qu'elle atteindrait un niveau fondamental, échappant à la morsure du temps:" (Prigogine und Stengers, in: La nouvelle alliance, métamorphose de la science, Poitiers 1979)
"Susman et Evered (1978) situent la recherche-action en opposition à la science positiviste. Ils rejettent, pour l'étude de l'action humaine et de ses effets, la conception de l'explication scientifique positiviste d'un cas particulier par une loi générale. Selon ces auteurs l'action humaine se caractérise par son aspect événementiel, par le rôle qu'y jouent les valeurs, les coryances, les finalités et la rationalité des acteurs qui l'agissent, et par la situation concrète toujours complexe dans laquelle l'action est initiée." (Susman und Evered, in : An Assessment of the Scientific Merits of Action Research, in: Administrative Science Quarterly, vol. 23, no. 4, 12/1978, S, 582-603).
Entsprechend ihrem positivismuskritischen Ansatz steht Aktionsforschung den wissenschaftstheoretischen Grundlagen der Hermeneutik, des Existentialismus und der Phänomenologie nahe.
"Its most important contribution to action research is its concept of the hermeneutical circle. The idea of the circle is that no knowledge is possible, without presuppositions.." (Susman und Evered, a.a.O.)
Nach Susman und Evered (a.a.O.) teilen Aktionsforschung und Existentialismus die Bedeutung, die sie der freien menschlichen Entscheidung beimessen:
"... both assert the importance of human choice, and both avoid giving traditional causal explanations of human actions... Central to the existential position is the theme that behind every action, individual choice is based on the human interest." (Susman und Evered, a.a.O.)
"Quant à la phénoménologie, appliquée en sciences sociales entre autres par Lewin, elle insiste 'on the primacy of immediate subjective experience as the basis of knowledge' " (Goyette/Lessard-Hebert: La recherche-action, Quebec 1987)
"Afin de parvenir à une juste compréhension du phénomène humain, le chercheur ne peut pas se borner à une approche de pure objectivité telle qu'elle a été définie par les sciences de la nature à la fin du dix-neuvième siècle; les contenus subjectifs du phénomène humain sont partie constitutive de la réalité étudié... Dans cette perspective le chercheur ne met pas sa subjectivité entre parenthèses; au contraire, il l'investit dans la recherche." (Angers und Bouchard: Ecole et innovation, éditions N.P.H., 1978)