Im
folgenden sind die grundlegenden Aussagen von Heinz Moser (Praxis der
Aktionsforschung, München 1977) in einer Zitatensammlung
zusammengestellt.
Theorie
und Praxis
„Forschung
und Praxis fallen auseinander“. „Gerade am Theorie-Praxis-Problem entzündete
sich die Diskussion am heftigsten. Schon die Studentenbewegung der
sechziger Jahre fühlte sich mit ihrer Wissenschaft in einem Elfenbeinturm
eingesperrt.“ (S.12)
„...erinnerten
sich einige Forschergruppen an den Ansatz des action research. Dieser Forschungsansatz
war kurz nach dem zweiten Weltkrieg in den USA von Kurt Lewin entwickelt
worden und versuchte theoretische und praktische Arbeit der Wissenschaft
enger aufeinander zu beziehen. Von Lewin her ergibt sich: In der
Aktionsforschung sind jene Menschen und Menschengruppen, welche von den
Wissenschaftlern untersucht werden, nicht mehr bloße Informationsquelle
des Forschers, sondern Individuen, mit denen sich der Forscher gemeinsam
auf den Weg der Erkenntnis zu machen versucht.“ (S.13)
Partizipation
und Handeln
„Der
herkömmliche Forscher geht hin und erstellt einen Fragebogen. Er befragt
nach allen Regeln seiner Kunst arbeitslose Jugendliche und kommt so zu
seiner Erkenntnis der Hauptprobleme. Damit ist seine wissenschaftliche
Arbeit abgeschlossen. Denn der Wissenschaftler hat seine Informationen und
ist nur noch an der Verarbeitung seiner Daten interessiert.“ (S.13)
„Der
Aktionsforscher würde hier ganz anders vorgehen, indem er sich zu
allererst einmal selbst ins ‘Feld’ begäbe. Er versuchte, mit
arbeitslosen Jugendlichen Kontakt aufzunehmen, mit ihnen ins Gespräch zu
kommen, ihre Treffpunkte aufzusuchen und ihre Probleme kennenzulernen. Von
einer solchen Problembestimmung her würden Wissenschaftler und
Arbeitslose gemeinsam versuchen, das Problem der Arbeitslosigkeit als
ihr aktuelles Problem zu verstehen und gemeinsam temporäre sowie
langfristige Lösungen zu suchen.“ (S.14)
„Der
Einstieg wird über die soziale Ebene gesucht, d.h. zu Beginn ist noch
kein praktisches Arbeitsziel festgelegt, sondern man möchte ein gutes
Gruppenklima schaffen, eine Atmosphäre des Vertrauens, die erst die
Grundlage der Ausarbeitung von Zielen bilden soll.“ (S.28)
„Herkömmliche
Forschung ist wesentlich monologisch... Aktionsforschung ist demgegenüber
dialogisch. Der Forscher setzt sich in der Diskussion mit den Menschen
auseinander, ‘über die er forscht’. Seine Informationen, die er über
diese Menschen gewinnt, werden immer wieder in den gemeinsamen
Handlungsprozeß eingegeben und diskutiert. Der Forschungsprozeß zielt
nicht allein auf Erkenntnis, sondern auf die Ausarbeitung von Handlungsmöglichkeiten,
die das gemeinsame Handeln anleiten.“ (S.
16)
„Der
Wissenschaftler und sein Gegenpart lernen aneinander und voneinander,
wobei der Wissenschaftler versucht, sich im Handlungsprozeß überflüssig
zu machen.“ (S.17)
„Das
didaktische Vorgehen des Forschers bedeutet, daß er
Die darauf
bezogenen Entscheidungen sollten jedoch von allen Beteiligten, also unter
gleichberechtigtem Einschluß der Betroffenen, vorgenommen werden.“ (S.
25)
„Die
didaktische Funktion darf aber nicht als eine Art von autoritärem
Lehr-Lernprozeß verstanden werden. Vielmehr wäre die Funktion des
Wissenschaftlers eher als Hilfe zur Selbsthilfe zu verstehen.“ (S.24)
Methodisches
Vorgehen
„Aktionsforschung
setzt im Gegensatz zur empirischen Forschung nicht allein auf die methodisch
geregelte Erhebung und Auswertung von Daten, um zu gesicherten Ergebnissen
zu kommen, vielmehr ist ihr Kennzeichen die Argumentation im Diskurs, die
zum ‘wahren’ Konsens gelangen soll. Dies ist vielleicht der
zentralste Unterschied zur herkömmlichen empirischen Forschung.“
(S.54)