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Exkurs II

Zitatensammlung zur Aktionsforschung der 70er Jahre in Deutschland

 

Aktionsforschung wie sie sich seit den achtziger Jahren im Rahmen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit in Theorie und Praxis entwickelt hat, zeigt starke Parallelen zu den Grundsätzen und Methoden der Aktionsforschung wie sie in den siebziger Jahren von Heinz Moser entwickelt wurden. Dies vor allem hinsichtlich:

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der Verbindung von Theorie und Praxis;

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der Partizipation oder dem Dialog zwischen „Forscher/Experten“ und Akteuren an der Basis;

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der gemeinsamen Veränderung sozialer Verhältnisse.

Im folgenden sind die grundlegenden Aussagen von Heinz Moser (Praxis der Aktionsforschung, München 1977) in einer Zitatensammlung zusammengestellt.

 Theorie und Praxis

„Forschung und Praxis fallen auseinander“. „Gerade am Theorie-Praxis-Problem entzündete sich die Diskussion am heftigsten. Schon die Studentenbewegung der sechziger Jahre fühlte sich mit ihrer Wissenschaft in einem Elfenbeinturm eingesperrt.“ (S.12)

 „...erinnerten sich einige Forschergruppen an den Ansatz des action research. Dieser For­schungsansatz war kurz nach dem zweiten Weltkrieg in den USA von Kurt Lewin entwickelt worden und versuchte theoretische und praktische Arbeit der Wissenschaft enger aufeinander zu beziehen. Von Lewin her ergibt sich: In der Aktionsforschung sind jene Menschen und Menschengruppen, welche von den Wissenschaftlern untersucht werden, nicht mehr bloße Informationsquelle des Forschers, sondern Individuen, mit denen sich der Forscher gemeinsam auf den Weg der Erkenntnis zu machen versucht.“ (S.13)

 Partizipation und Handeln

„Der herkömmliche Forscher geht hin und erstellt einen Fragebogen. Er befragt nach allen Regeln seiner Kunst arbeitslose Jugendliche und kommt so zu seiner Erkenntnis der Haupt­probleme. Damit ist seine wissenschaftliche Arbeit abgeschlossen. Denn der Wissenschaftler hat seine Informationen und ist nur noch an der Verarbeitung seiner Daten interessiert.“ (S.13)

„Der Aktionsforscher würde hier ganz anders vorgehen, indem er sich zu allererst einmal selbst ins ‘Feld’ begäbe. Er versuchte, mit arbeitslosen Jugendlichen Kontakt aufzunehmen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen, ihre Treffpunkte aufzusuchen und ihre Probleme kennenzulernen. Von einer solchen Problembestimmung her würden Wissenschaftler und Arbeitslose gemein­sam versuchen, das Problem der Arbeitslosigkeit als ihr aktuelles Problem zu verstehen und gemeinsam temporäre sowie langfristige Lösungen zu suchen.“ (S.14)

„Der Einstieg wird über die soziale Ebene gesucht, d.h. zu Beginn ist noch kein praktisches Arbeitsziel festgelegt, sondern man möchte ein gutes Gruppenklima schaffen, eine Atmosphäre des Vertrauens, die erst die Grundlage der Ausarbeitung von Zielen bilden soll.“ (S.28)

„Herkömmliche Forschung ist wesentlich monologisch... Aktionsforschung ist demgegenüber dialogisch. Der Forscher setzt sich in der Diskussion mit den Menschen auseinander, ‘über die er forscht’. Seine Informationen, die er über diese Menschen gewinnt, werden immer wieder in den gemeinsamen Handlungsprozeß eingegeben und diskutiert. Der Forschungsprozeß zielt nicht allein auf Erkenntnis, sondern auf die Ausarbeitung von Handlungsmöglichkeiten, die das gemeinsame Handeln anleiten.“ (S. 16)

„Der Wissenschaftler und sein Gegenpart lernen aneinander und voneinander, wobei der Wis­senschaftler versucht, sich im Handlungsprozeß überflüssig zu machen.“ (S.17)

„Das didaktische Vorgehen des Forschers bedeutet, daß er

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Anstöße gibt,

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Probleme formuliert und präzisiert,

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auf Probleme aufmerksam macht,

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Entscheidungsalternativen verdeutlicht usw.

Die darauf bezogenen Entscheidungen sollten jedoch von allen Beteiligten, also unter gleichbe­rechtigtem Einschluß der Betroffenen, vorgenommen werden.“ (S. 25)

„Die didaktische Funktion darf aber nicht als eine Art von autoritärem Lehr-Lernprozeß verstanden werden. Vielmehr wäre die Funktion des Wissenschaftlers eher als Hilfe zur Selbsthilfe zu verstehen.“ (S.24)

Methodisches Vorgehen

„Aktionsforschung setzt im Gegensatz zur empirischen Forschung nicht allein auf die metho­disch geregelte Erhebung und Auswertung von Daten, um zu gesicherten Ergebnissen zu kommen, vielmehr ist ihr Kennzeichen die Argumentation im Diskurs, die zum ‘wahren’ Kon­sens gelangen soll. Dies ist vielleicht der zentralste Unterschied zur herkömmlichen empiri­schen Forschung.“ (S.54)

„Aktionsforschung als zyklisches Model:

Informations-

sammlung  

Diskurs

Handlungs-

orientierungen 

Handeln

 

zyklisch

                                                                                                                 (S. 56)

„Aktionsforschung geht von einem breiten Spektrum von Methoden aus. Diese können quantitativ oder qualitativ ausgewertet werden...“
(S. 69)

„Transparenz: Nachvollziehbarkeit des Forschungsprozesses für alle Beteiligten durch Offenle­gung von Funktionen, Zielen und Methoden der Forschungsarbeit.“ (S.62)

„Die Resultate der Untersuchung müssen mit den Betroffenen diskutiert werden. Der Forscher muß mit offenen Karten spielen...“ (S. 64)

 

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