Kurt
Lewin hat bereits kurz nach dem Ende des 2. Weltkriegs den Begriff
action research benutzt. Er wollte die Forschung stärker in den Dienst
der Lösung sozialer Konflikte stellen, indem sie die Bedingungen und
Wirkungen verschiedener Formen des sozialen Handelns untersucht und zu
sozialem Handeln führt. Er sah diese Form der Tat-Forschung allerdings
als Mittel der Sozialtechnik und kann deshalb wohl kaum als Begründer
der heute eher emanzipatorisch und partizipativ verstandenen
Aktionsforschung bezeichnet werden (Lukesch/Zecha, S. 27).
Friderike
Seithel erkennt in der von nordamerikanischen Ethnologen in den 50er
Jahren entwickelten Action Anthropology (oder: Committed, Radical,
Advocacy, Partisan, Critical, Revolutionary Anthropology) den oder
zumindest einen wichtigen Vorläufer der Aktionsforschung. Beginnend mit
dem sog. Fox-Projekt (1948 - 1958) und gestützt auf weitere
Forschungsvorhaben bei Indianern gelangten Sol Tax, Fred Gearing, Lisa
Peattie, Walter B. Miller, Stephen Schensul, Karl H. Schlesier und
andere Ethnologen allmählich zu einer theoretischen Fundierung
der Action Anthropology.
Anlaß
für den Wechsel in der Herangehensweise war ihre Betroffenheit über
die Lage der Indianer und die daraus erwachsene Absicht, diese
hoffnungslos scheinende Lage nicht nur zu erforschen und zu beschreiben,
sondern zu verändern. Die Ethnologen ergriffen für die Indianer
Partei und begannen, sie bei der Lösung ihrer Probleme zu unterstützen.
Dabei änderten sie ihre Haltung gegenüber den Indianern und sahen in
ihnen nun nicht mehr Forschungsobjekte, sondern selbständige Individuen
(Subjekte), mit denen sie partnerschaftlich zusammenarbeiteten.
Die
meisten Grundsätze der Aktionsforschung sind bereits von der Action
Anthropology erarbeitet worden (siehe Seithel).
In
den 70er Jahren wurde in deutschsprachigen Zeitschriften und Buchveröffentlichungen
eine heftige Debatte über Aktionsforschung geführt. Sie basierte auf
der Anwendung von Methoden der Aktionsforschung (anfangs gelegentlich in
sozialtechnologischer, d.h. funktionalisierender, Absicht und Manier)
insbesondere in der Pädagogik sowie Industrie- und Betriebssoziologie
(Humanisierung des Arbeitslebens), war aber häufig von
wissenschaftstheoretischen Fragen geletet. In der Folge des
Positivismusstreites, der in den 60er Jahren zwischen den (Frankfurter)
Vertretern der Kritischen Theorie und den Vertretern des auf Karl Popper
zurückgehenden Kritischen Rationalismus ausgetragen wurde, ging es vor
allem darum, welche der vorherrschenden sozialwissenschaftlichen
Forschungsrichtungen die Aktionsforschung ergänzt und zu welchen sie
als kritische Alternative anzusehen ist.
Die
Debatte zeigte zum einen, daß es kein gemeinsames Verständnis des
Begriffs und Konzepts 'Aktions/Handlungsforschung' gab, und zum anderen,
daß unter diesem Etikett häufig sozial durchaus engagierter
Aktionismus betrieben wurde, dessen wissenschaftlicher Ertrag gering
blieb. (vgl. Eichner/Schmidt, Lukesch/Zecha, Moser, Hopf).
Deutsche
Praktiker und Theoretiker der Entwicklungszusammenarbeit nahmen die
Debatte überwiegend nicht zur Kenntnis und empfingen daher auch keine
Anregungen. Dasselbe gilt für Aktionsforschungsansätze, die von sozial
engagierten lateinamerikanischen und asiatischen Wissenschaftlern
bereits seit den 60er Jahren entwickelt und in ihren Ländern angewandt
wurden. Paulo Freire wird zwar gewöhnlich nicht in einem Atemzug mit
Aktionsforschung genannt, hat aber mit seiner Pädagogik der Unterdrückten
und seinem Konzept dialogischer Kommunikation (s. Gerhardt) wichtige
methodische Grundlagen für die Aktionsforschung gelegt.